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Hinter den Kulissen wird wichtige Arbeit geleistet

Interview mit Jean-Pierre Jeusette, Generaldirektor des Goodyear Innovation Center Luxembourg

Jeusette_grossJean-Pierre Jeusette ist der Generaldirektor des Goodyear-Innovations-Center in Luxemburg (GIC*L), eines der weltweit modernsten Zentren für Reifenforschung und -entwicklung. Er ist verantwortlich für die Arbeit von über 900 hoch spezialisierten Forschungs- und Entwicklungsingenieuren, Wissenschaftlern und Reifentestern. Es dauert nicht mehr lange, bis in Europa für Millionen von Reifen vergleichbare Informationen zu drei wichtigen Leistungseigenschaften angegeben werden müssen. Jean-Pierre Jeusette spricht über die neuen Regeln und die wichtige Arbeit, die bei Goodyear Dunlop hinter den Kulissen geleistet wird.

Haben Sie mit der Einführung einer solchen Gesetzgebung für ganz Europa erwartet?

Als Mitglied der ‚European Tyre & Rubber Manufacturers Association’ (ETRMA) hat Goodyear Dunlop von einem sehr frühen Stadium an bei der Formulierung
der EU-Reifenlabel-Regelung mitgewirkt. Es ist uns gelungen, den politischen Entscheidungsträgern die wichtige Rolle der Reifen für die Umwelt- und
Sicherheitsleistungen eines Fahrzeugs nahezubringen. Reifen können dazu beitragen, den Benzinverbrauch und den CO2-Ausstoß eines Autos zu reduzieren, und – was für mich persönlich noch viel wichtiger ist – sie haben einen großen Einfluss auf die aktive Sicherheit eines Fahrzeugs. Eine kluge Reifenwahl kann beispielsweise zu einem deutlich kürzeren Bremsweg führen. Seit der Ankündigung der neuen EU-Regelung haben wir sichergestellt, dass unsere Partner gut darüber informiert sind, was das Label eigentlich ist und welche Auswirkungen es unserer Ansicht nach haben wird. Nun informieren wir Automobilhersteller, Reifenhändler, Medien und andere wichtige Geschäftspartner über die bevorstehende Einführung des Labels.

Halten Sie die Einführung des EU-Reifenlabels für eine gute Entscheidung?

Definitiv ja. So wie ich das sehe, geht Reifenes bei dieser Verordnung darum, die Sicherheit sowie die ökonomische und die Umwelteffizienz im Straßenverkehr zu erhöhen, indem man die Endkunden besser über die Sicherheits- und Umweltaspekte von Reifen informiert. Ich arbeite jeden Tag mit Reifen und weiß deshalb, was für hochtechnische Produkte das sind. Für die meisten Menschen jedoch sind sie nur schwer zu unterscheiden. Wir glauben, dass das EU-Reifenlabel nicht nur Endverbrauchern, sondern auch Flottenbetreibern und dem Reifenhandel helfen wird, sich für sicherere und verbrauchseffizientere Reifen mit einem niedrigeren Geräuschpegel zu entscheiden.

Sagt das Label den Kunden alles, was sie wissen müssen?

Das ist eine wichtige Frage. Das EUReifenlabel ist zwar ein guter Ausgangspunkt, doch es sagt nicht alles aus. Es gibt noch eine Reihe weiterer Sicherheits-, Leistungs- und Umwelt-Parameter, die beachtet werden müssen, um die Leistungsfähigkeit eines Reifens beurteilen zu können. Während der Entwicklungs- und Testphase eines neuen Reifens analysiert Goodyear Dunlop mehr als 50 Kriterien, darunter – um nur ein paar zu nennen – das Handling des Reifens auf nasser und trockener Fahrbahn, seine Bremsleistung auf trockener Fahrbahn oder sein Aquaplaning-Verhalten.

Ein anderes gutes Beispiel für einen Leistungsbereich, der vom Reifenlabel von Winterreifen. Sie müssen auf nasser Fahrbahn, bei Matsch, Schnee und Eis exzellenten Grip und kurze Bremswege bieten – egal, ob es bergauf oder bergab geht, ob beschleunigt, gebremst oder durch Kurven gefahren wird. All das muss bei Temperaturen geleistet werden, die deutlich niedriger sind als im Sommer.

Es gibt entscheidende technologische Unterschiede, die dafür sorgen, dass Winterreifen bei kalten Temperaturen besser funktionieren: die Art und Zusammensetzung der verwendeten Laufflächenmischungen, die speziellen Lamellen-Technologien, die Form der Reifenaufstandsfläche und das besondere Design des Profils. Die Entwicklung von speziellen Mischungen für Winterreifen ist extrem wichtig und stellt für unsere Forschungs- und Entwicklungsteams eine echte Herausforderung dar. Das neue EU-Reifenlabel jedoch bietet keinerlei Informationen über die besonderen Leistungsparameter von Winterreifen.

Was also soll der Endverbraucher tun, um den richtigen Reifen zu finden, wenn das Reifenlabel all diese Bereiche nicht abdeckt?

Es gibt viele Informationsquellen. Zunächst einmal sollte man mit dem Reifenhändler seines Vertrauens sprechen. Wenn man ihm seinen Fahrstil, sein Fahrzeug und seine Bedürfnisse für die jeweilige Jahreszeit Unterschiede der Reifen zu erklären und eine gute Empfehlung zu geben, die eine Lösung für die individuellen Anforderungen darstellt. Zweitens sollte man sich für Reifen eines Premiumherstellers entscheiden, die bekannt hohe Qualität liefern. Man sollte nicht versuchen, durch den Kauf eines No-Name-Produkts ein paar Euro zu sparen. Der Forschungs-, Entwicklungs- und Test- Aufwand, den wir für unsere Reifen betreiben, ist beträchtlich und hat einen direkten Einfluss auf die aktive Sicherheit des Fahrzeugs.

Drittens können auch die jährlichen Reifentests von Automobilclubs und Auto-Magazinen ebenfalls eine gute Informationsquelle sein. Europas führende Reifentester – wie der Automobilclub ADAC oder die Auto-Zeitschriften Auto, Motor und Sport, AutoBild – sowie viele andere Zeitschriften in ganz Europa veröffentlichen regelmäßig Reifentests. Darüber hinaus gibt es auch noch andere unabhängige Test-Organisationen wie der TÜV SÜD Automotive, die ebenfalls Einblicke in die Leistungsfähigkeit diverser Reifen ermöglichen. Auch ein Blick darauf, welche Reifen Automobilhersteller als Erstausstattung wählen, lohnt sich. Und ab November 2012 wird das EUReifenlabel zusätzliche, neutrale und vergleichbare Informationen zu drei wichtigen Kriterien liefern.

Wann werden Sie damit beginnen, Ihre Reifen mit dem EU-Reifenlabel zu kennzeichnen und wird es dann auf all Ihren Reifen zu finden sein?

Von November 2012 an müssen wir die Reifenlabel-Informationen für all unsere nach dem 1. Juli 2012 produzierten Reifen liefern. Tatsächlich werden aber nur Pkw und Leichttransporterreifen den Aufkleber tragen, doch auch damit sprechen wir schon über Millionen von Reifen, die Goodyear Dunlop mit dem Sticker versehen muss. Die Käufer von Lkw-Reifen werden die Label-Informationen nicht auf dem Reifen selbst finden, erhalten sie aber im Verlauf des Verkaufsprozesses mit der Rechnung und durch unser technisches Informationsmaterial sowie auf unserer Website.

Eine frühe Umsetzung der neuen Regelung ist ab Juni 2012 möglich. Erst von diesem Zeitpunkt an wird es erlaubt sein, die speziellen Reifenlabel-Einstufungen unserer Produkte zu kommunizieren.

Was wird aktuell bei Goodyear Dunlop unternommen, um sich auf das EU-Reifenlabel vorzubereiten?

Wir haben bereits damit begonnen, die Leistung unserer Reifen entsprechend der EU-weit vereinbarten Testmethoden zu beurteilen. Dies ist ein komplexer und anspruchsvoller Prozess, da unser Reifenes-Bewertungsteam mehr als 10.000 Produkte in den verschiedensten Dimensionen bewerten muss. Darüber hinaus werden wir sicherstellen, dass all unsere Geschäftspartner sich darüber im Klaren sind, dass die neue Regelung kommt und dass sie gut darüber informiert sind.

Wir sind davon überzeugt, dass Premiumhersteller wie Goodyear Dunlop mit ihren hochqualitativen Produkten von dem neuen Reifenlabel profitieren werden, da es objektive und vergleichbare Informationen über wichtige Leistungsmerkmale der Reifen bietet.

Werden Reifen schnell eine AA-Einstufung erreichen?

Die Einstufung AA im Rollwiderstand und bei Nasshaftung zu erreichten stellt eine extrem große Herausforderung dar, da die Anforderungen sehr hoch sind – vor allem, wenn weiterhin der ausgewogene Reifen Ziel der Entwicklung ist. Die EU hat diese Anforderungen als Zielvorstellung gesetzt, um den Reifenherstellern einen Anreiz zu geben. Einen ausgewogenen Reifen zu entwickeln, der sowohl beim Rollwiderstand als auch bei Haftung auf nasser Fahrbahn eine A-Einstufung erzielt und auch noch in anderen Parametern, auf die wir uns konzentrieren, gute Leistungen bringt – etwa beim Bremsen auf trockener Fahrbahn, beim Aquaplaningverhalten oder bei Winterreifen bei den Leistungen auf Schnee und Eis – wird eine Herausforderung bleiben.

Es ist wichtig zu verstehen, dass bei der Reifenentwicklung immer Zielkonflikte entstehen und Kompromisse zu machen sind. Ein verbesserter Rollwiderstand beispielsweise wäre leicht zu erzielen, wenn man bereit ist, im Gegenzug einen schlechteren Grip bei Nässe in Kauf zu nehmen. Ähnliche Beziehungen bestehen zwischen dem Grip auf nasser Fahrbahn und der möglichen Laufleistung und zwischen diversen anderen Leistungsparametern. Bei Goodyear Dunlop sind wir jedoch nicht bereit, solche Kompromisse zu akzeptieren und versuchen stets, in allen Kategorien Spitzenwerte zu liefern.

Wird die neue Verordnung Ihre Entwicklungsziele verändern?

Die neue Verordnung hat auf unsere grundsätzliche Ausrichtung keinen Einfluss. Wir investieren fortwährend in Forschung, Entwicklung und Produkttests, um Qualitätsreifen zu produzieren, die zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr beitragen und gleichzeitig einen größeren Nutzen für die Umwelt bieten. Und wir werden keinesfalls die Leistung in anderen sicherheitsrelevanten Bereichen opfern, um in den drei Kriterien des EU-Reifenlabels glänzen zu können.

Unser Entwicklungsziel bleibt weiterhin ein ausgewogener Reifen mit guten Leistungen in allen wichtigen Bereichen. Goodyear hat 111 Jahre Erfahrung in der Entwicklung einer der entscheidenden Komponente jedes Fahrzeuges: des Reifens. Wir glauben, dass wir in der Verantwortung stehen, zu noch mehr Sicherheit in der Mobilität beizutragen und beteiligen uns deshalb an der Sicherheitsdebatte.

  • Goodyear Dunlop ist einer der Unterzeichner der Europäischen Straßensicherheits-Charta (European Road Safety Charter – ERSC).
  • Goodyear Dunlop unterstützt schon seit langer Zeit die Idee eines EU-Reifenlabels. Dieses wird es den Endverbrauchern einfacher machen, die Leistung eines Reifens aus der Umwelt- und Sicherheitsperspektive zu beurteilen.
  • Goodyear Dunlop hat ebenfalls die verpflichtende Einführung des „Tire Pressure Monitoring System (TPMS)“ unterstützt. Dieses elektronische System überwacht den Reifendruck und wird ab 2012 in allen neuen und ab 2014 in allen Pkw Pflicht. 
  • Goodyear Dunlop unterstützt ebenfalls das Vorhaben, dass in allen EU-Mitgliedsstaaten Gesetze zum Thema Winterreifen eingeführt werden. So würde die Sicherheit im Straßenverkehr bei winterlichen Verhältnissen erhöht. 
  • Goodyear Dunlop arbeitet mit mehreren Interessensvertretungen zusammen, um die Bedeutung der Sicherheit im Straßenverkehr zu demonstrieren.